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Das Jahr 2009
- ein Jahr für geschichtliche Erinnerung und Gedenken - auch in Habichtswald

von Klaus Del Tedesco

Die Ziffer 9 spielt in der deutschen Geschichte ganz offensichtlich eine wichtige Rolle: Ob 9 (Schlacht im Teutoburger Wald), 1849 (Scheitern der ersten demokratischen Revolution), 1939 (Beginn des Zweiten Weltkriegs), 1949 (Gründung der Bundesrepublik und der DDR) oder 1989 (Fall der Mauer) - das neue Jahr 2009 wartet mit einer Fülle von Gedenktagen von nationaler Bedeutung auf.

Es gibt aber in diesem Jahr auch Anlässe zur Erinnerung und zum Gedenken an Menschen und Ereignisse, die unmittelbar mit den Habichtswald-Dörfern Ehlen und Dörnberg zusammenhängen.

Einige davon sollen hier - soweit dem (zugezogenen) Verfasser bekannt - wenigstens einmal benannt werden - und zwar bewusst nicht in zeitlich korrekter Reihenfolge. Vielleicht ist ja später noch die eine oder andere Ergänzung und sogar eine angemessene Würdigung möglich.


Vor 160 Jahren: Heinrich Knobel, Bürgermeister von Ehlen, opponiert in der kurhessischen Ständeversammlung (1849)

1849 ist nicht nur das Jahr der Verhinderung der ersten demokratischen Verfassung Deutschlands durch die alten Mächte. Auch in Hessen wurde um demokratische Reformen mit dem starrsinnigen Kurfürsten gerungen.

In vorderster Linie stand dabei der Abgeordnete der Ständeversammlung Heinrich Knobel, Bürgermeister von Ehlen, ein unbeugsamer und nimmermüder Vertreter der einfachen Landbevölkerung. Deshalb kritisierte er das im April 1849 endlich vorgelegte Wahlgesetz heftig als "Ungerechtigkeit, die der Volkssouveränität ins Gesicht schlägt."

Im Herbst des nächsten Jahres erhielt er die Quittung: Um seine Herrschaft zu retten, holte der Kurfürst Truppen("Strafbayern") ins Land, die auch Knobels Haus besetzten und ihn und seine Familie drangsalierten.


Vor 200 Jahren: Der Dörnbergsche Aufstand scheitert (1809)

Bodenständigkeit und Unbeugsamkeit gelten auch für einen Menschen mit dem ganz anderen Weltbild eines hessischen (Ur-)Adligen. Der Offizier Wilhelm Freiherr von Dörnberg versuchte in einem von ihm geführten Aufstand, den von Napoleon eingesetzten Herrscher des Königreichs Westfalen (zu dem auch Kurhessen gehörte) zu stürzen und das alte Kurfürstentum wiederherzustellen.

Die mangelhafte militärische Ausrüstung der zu Tausenden beteiligten Bauern - auch aus Dörnberg und Ehlen-- ließ den Umsturzversuch nach einem Gefecht am 23. April 1809 an der Knallhütte bei Rengershausen endgültig scheitern.

Vor 500 Jahren: Der Chorraum der Dörnberger Kirche mit den Wandmalereien wird eingeweiht (1509)

Gehen wir noch einmal über 300 Jahre zurück ins Mittelalter. 1509 wird in der Dörnberger Kirche der angebaute Chorraum mit dem Kreuzrippengewölbe eingeweiht. Die Wandmalereien in ihrer außergewöhnlichen lebendigen Form sind noch heute von großer Eindruckswirkung und der abgebildete Teufel gibt immer noch Rätsel auf.

Im selben Jahr wird der spätere Reformator Johannes Calvin geboren, zu dessen theologischer Lehre auch das biblische Bilderverbot gehört. Rund hundert Jahre später trat der Landgraf Moritz diesem Bekenntnis bei und setzte zwangsweise das Bilderverbot in allen Kirchen durch. Die Dörnberger Malereien verschwanden für über 300 Jahre unter einer Tünche und wurden vergessen.

Vor 10 Jahren: Fritz Liese, unser heimatlicher Geschichts- und  Geschichtenschreiber, stirbt (1999)

Dies alles - und auch, wie die Bilder wiederentdeckt wurden - kann man bei Fritz Liese nachlesen. Auch wer ihn persönlich nicht (mehr) gekannt hat, kann ihm auch heute noch begegnen, denn mit und in seinen drei Bänden, "Dörnberger Geschichte(n)", lebt er weiter. Sie sind nicht nur Ausdruck seiner Liebe zur Heimat (siehe z.B. die Mundartgeschichten), sondern sie dokumentieren auch seinen hohen und umfassenden Bildungsstand.

Methodisch hat er sowohl in der klassischen Form mit historischen Dokumenten und in Archiven gearbeitet, als auch die - für Ortsgeschichte sehr wichtigen - mündlichen Überlieferungen gesammelt und mit einbezogen. In seinen Darstellungen fand er einen besonderen Stil, der von fiktiven (also von ihm erfundenen) historischen Ortszenen lebt, und der die Lektüre seiner Texte immer wieder zu einem Lesevergnügen macht.

Die Veröffentlichung des dritten Bandes, "Dörnberger und Ehlener Geschichte(n)", konnte Fritz Liese nicht mehr erleben; er starb am 19. Dezember 1999.