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Geschichte von Habichtswald

Überblick über die Geschichte der beiden Ortsteile Dörnberg und Ehlen

 Im Rahmen der gebietlichen Neugliederung des Landes Hessen haben sich die beiden Gemeinden Dörnberg und Ehlen am 01. Januar 1972 zur neuen Gemeinde Habichtswald zusammengeschlossen. Gleichzeitig hat man die so entstandene Gemeinde dem ebenfalls neu begrenzten Landkreis Kassel zugeordnet. Die Entwicklung der beiden Ortsteile verlief, trotz der räumlichen Nähe, insbesondere aufgrund der Zugehörigkeit zu verschiedenen Verwaltungseinheiten, häufig unterschiedlich.

Bereits seit der Steinzeit wurde unser Gebiet fast durchgängig besiedelt. So fand man insbesondere am hohen Dörnberg, im Habichtswald und am Seilerberg bei Ehlen Gegenstände und Gräber, welche die Anwesenheit von Menschen in unserem Tal auch zu diesen Zeiten  belegen.

Dörnberg findet erstmals im Jahre 1074 als Thurinkiberge in der Gründungsurkunde des Klosters Hasungen urkundliche Erwähnung. In den folgenden Jahren wandelt sich der Ortsname noch häufig: Duringeberg 1123, Doringeberg 1343, Dorinberg 1301, bis 1392 in seiner heutigen Schreibweise.Im 11. Jahrhundert standen vermutlich nur wenige Häuser am Nordabhang des Habichtswaldes, da das untere Gebiet wohl versumpft und nicht bewohnbar war. Später wurde dieser Teil trockengelegt und die Erlenbüsche gerodet. Auf Anraten der Hasunger Mönche sollen hier Fischteiche angelegt worden sein, die jährlich 80- 100 Taler einbrachten.

Die Kirche in Dörnberg ist in der heutigen Form im 15. Jahrhundert errichtet worden. In dieser Zeit wurde Dörnberg auch eigenständiges Kirchdorf, nachdem es vorher Filiale von Lutwardessen war, einem Dorf, welches 3 km nordwestlich in Richtung Zierenberg gelegen hat. Das Dorf entwickelte sich seit dem 15. Jahrhundert zu einer bedeutenden und wohlhabenden Gemeinde in unserem Tal. Diese positive Entwicklung wurde nur durch die immer wieder aufflammenden Konflikte und Kriege unterbrochen. Im 18. und 19. Jahrhundert nahm die Bedeutung von Dörnberg, auch durch seine Lage an der Hauptstraße nach Wolfhagen und Arolsen, ständig zu und die Bevölkerung wuchs.

Die älteren Teile der Kirche stammen vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Es wird vermutet, dass hier zunächst eine kleine Kapelle stand, über der später der aus grobem Mauerwerk gebaute Turm errichtete worden ist. Dieser diente wohl als Wehrturm. An diesen Turm wurde dann das heutige gotische Kirchenschiff in mehreren Bauphasen angebaut. Hier kann man heute wieder die beeindruckenden Gemälde aus dem Jahre 1509 betrachten, die einige Jahrhunderte übermalt waren und erst wieder im 20. Jahrhundert freigelegt worden sind.

Das Adelsgeschlecht der Freiherrn  von Dörnberg wird 1146 erstmals erwähnt. Es wird vermutet, dass diese ihren Sitz auf der Igelsburg hatten, östlich von Dörnberg gelegen. Da diese Burg in Holzbauweise errichtet gewesen sein soll, geht man davon aus, dass sie deshalb bereits im 13. Jahrhundert verfallen ist. Das Geschlecht derer von Dörnberg spaltete sich nach den derzeitigen Erkenntnissen in zwei Linien. Während vermutlich die hier ansässige Linie bereits im 13. Jh. ausstarb oder sich in anderen Regionen ansiedelte, hat sich die andere bis heute am Meißner und im Kreis Hersfeld-Rotenburg (Burg Herzberg)  erhalten. (Link auf Wikipedia).

 Ehlen , früher auch Elheno oder Aelehaine geschrieben, ist eine der ältesten Siedlungen des oberen Warmetales. Der kleine Siedlungsort lag vermutlich in einem riesigen Waldgebiet.

Das älteste Zeugnis seiner frühen Existenz ist die Alte Steinscheune , wenige Meter nördlich der heutigen Kirche gelegen. Eine alte Kirche in welcher der heilige Heimerad, der 1019 auf dem Burghasunger Berg starb, die Messe gelesen haben soll. Nach wechselhaftem Schicksal durfte er auf dem Hasunger Berg sesshaft werden und begann von hier aus wundersam zu wirken.

Als zu Ehren dieses Heimerad im Jahre 1074 auf dem Berg ein Kloster gegründet wurde, kamen auch Ländereien aus Ehlen, später auch die Kirche von Ehlen zur Ausstattung hinzu. Die entsprechende Urkunde bildet die erste schriftliche Erwähnung des Ortes. Um diese Zeit dürfte auch der Kirchturm mit seinen romanischen Schallöffnungen entstanden sein.

Die Ehlener Gemarkung und damit auch die Bürger waren in die Machtkämpfe zwischen Hessen und Mainz verwickelt, die im 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichten.  Die Warte, im Volksmund auch „ Höllepott“ genannt, gibt Zeugnis von dieser Zeit, war sie doch ein wichtiger Punkt in einer Frühwarnkette vor feindlichen Angriffen.

Ehlen blieb eng mit dem damals sehr wichtigen benachbarten Kloster auf dem Hasunger Berg verbunden. Erst als dieses in der Reformationszeit - ca. 1528- aufgelöst wurde, ließ der Einfluss nach. Die Situation im Jahre 1575 – es gab 59 Haushalte – war nicht sonderlich gut. Flehentlich erbaten die Bewohner vom Landgraf Unterstützung durch Getreidelieferungen, da sie keinen Ausweg sahen. Überhaupt hatten die Ehlener immer um das tägliche Brot zu kämpfen. War wirklich einmal ein gewisser Wohlstand erreicht, machte der nächste Krieg wieder alles zunichte. So hatte der Ort im 30 jährigen Krieg besonders zu leiden. Mehrfach wurde Ehlen besetzt, die Ernte geraubt und die Häuser zerstört. Die Ehlener Kirche wurde zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. 

Auch durch den 7 jährigen Krieg wurden die Menschen erheblich belastet. Der damalige Grebe (Bürgermeister) Georg Werner Knobel berichtet 1768 in einem Dokument, welches in der Kirchturmspitze des Ehlener Kirchturms gefunden wurde, vom Elend und den Belastungen aus dieser Zeit.

 In der Zeit nach der Reformation entwickelten sich die beiden Ortsteile höchst unterschiedlich. Während Dörnberg sich stark vergrößerte und der Wohlstand wuchs, stagnierte die Entwicklung von Ehlen bis in das 19. Jahrhundert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war auch unser Gebiet von der französischen Herrschaft und auch den Gedanken der französischen Revolution stark beeinflusst, der erst mit der Beseitigung des Königreichs Westfalen zurückging. Jedoch blieb der Einfluss in den Köpfen vieler Menschen erhalten, was sich in den folgenden Jahren in immer lauter werdenden Rufen nach mehr Freiheit niederschlug. Insbesondere in der Zeit der Revolution von 1848 tat sich eine Person aus unserer Heimat besonders hervor. Johann Heinrich Knobel, Grebe (Bürgermeister) von Ehlen und Mitglied der Kurhessischen Ständeversammlung in Kassel, war als unerschrockener Kämpfer für mehr Freiheiten bekannt geworden. Er  wurde in der Folge für seine Standhaftigkeit massiv bestraft. Nach der Niederschlagung der Bewegung, wurden ihm in seinem Hof in Ehlen für viele Monate sogenannte  Strafbayern“ einquartiert, die er unterbringen und verköstigen musste.

Mit Beginn der „industriellen Revolution“ verschwanden auch in unseren beiden Ortsteilen viele traditionelle Berufe. In der Folge orientierten sich viele Menschen nach Kassel, um dort Arbeit zu finden. Auch im Bergbau auf dem Habichtswald fanden viele Dörnberger und Ehlener eine dauerhafte Beschäftigung.

Die Annexion Kurhessens durch Preußen brachte den Menschen viele Veränderungen in ihrem täglichen Leben. In den Kriegen 1870/ 71 und im 1. Weltkrieg (1914-1918) sind in beiden Ortsteilen viele Kriegstote zu beklagen. 

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918, war das Leben in unseren Gemeinden, wie überall in Deutschland, von Armut und Entbehrungen begleitet. Die Wahlergebnisse aus dieser Zeit zeigen, dass in beiden Ortsteilen die Sozialdemokratische Partei dominierte. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 veränderte sich das Leben auch in Dörnberg und Ehlen. Auch hier gab es wegen der falschen Versprechen, Hoffnung auf ein besseres Leben. Jedoch zeigten sich auch in unseren Dörfern die negativen Folgen der Machtübernahme. Bürger wurden verhaftet und in Gefängnissen oder Konzentrationslagern gequält. Letztendlich führte der Zweite Weltkrieg (1939-1945) zum Ende dieser Diktatur, die auch vielen Menschen in unseren Gemeinden das Leben gekostet hat.

Die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre waren besonders geprägt durch die Aufnahme von Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten. Trotz der damit verbundenen Probleme und auch Konflikten zwischen den Menschen, ist die Integration dieser Neubürger, wie wir heute rückblickend feststellen können, sehr gut gelungen. Auch Dörnberg und Ehlen entwickelten sich in der Folgezeit zu stattliche Gemeinden. In Ehlen wurde im Jahre 1955 das Dorfgemeinschaftshaus, überwiegend in Eigenleistung der Bürger gebaut. Dörnberg errichtet in den 60er Jahren eine Mehrzweckhalle. Die Integration der Vertriebenen und der Zuzug aus Kassel, führte danach zur Erschließung immer neuer Baugebiete, welche beide Orte sehr stark wachsen ließen.

Als im Jahre 1972 das Land Hessen im Rahmen der Gebietsreform Dörnberg und Ehlen der Stadt Zierenberg zuordnen wollte, zeigte sich bei den Bürgern Widerstand. Proteste der politischen Gremien und im Rahmen einer Unterschriftenaktion artikulierte Willenskundgebung der Bürger beider Gemeinden führte zum Umdenken. In der Folge einigten sich Vertreter aus Dörnberg und Ehlen, sich zur Großgemeinde Habichtswald zusammenzuschließen, die nun seit 1972 besteht.

 

Zusammengestellt von Egon Jordan